{"id":3015,"date":"2017-02-22T12:38:11","date_gmt":"2017-02-22T11:38:11","guid":{"rendered":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/?page_id=3015"},"modified":"2021-01-01T12:34:55","modified_gmt":"2021-01-01T11:34:55","slug":"conermann-gustav-pfarrer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/conermann-gustav-pfarrer\/","title":{"rendered":"Conermann Gustav, Pfarrer"},"content":{"rendered":"\n<p> <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Conermann-e1487764142805.jpg\" rel=\"lightbox[3015]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"224\" height=\"300\" src=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Conermann-224x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3017\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-medium-font-size\"><strong>Pfarrer Gustav Conermann<\/strong> (*1855 in Rodde bei Rheine \u20201942 in Wulfen)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">wurde am 28.06.1932 anl\u00e4sslich seines goldenen\nPriesterjubil\u00e4ums wegen seiner Verdienste um Wulfen zum ersten und bislang einzigen\nEhrenb\u00fcrger von Wulfen ernannt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">1882 als J\u00fcngster des gesamten Bistums zum\nPriester geweiht, stand er 43 Jahre lang, von 1895 bis 1938, der katholischen\nSt. Matth\u00e4usgemeinde vor. Zu seinem Tod im Jahr 1942 notierte Heinrich Borchers\nin der Wulfener Dorfchronik: \u201eAm 27. Dezember verschied Pfarrer i.R. Gustav Conermann,\nEhrenb\u00fcrger der Gemeinde Wulfen, Inhaber des Kriegsverdienstordens und Senior\nder Geistlichkeit des Bistums M\u00fcnster im 88. Lebensjahre. Er war am 08. M\u00e4rz\n1855 zu Rodde bei Rheine geboren und am 29. Juni 1882 in Freising zum Priester\ngeweiht. Nachdem er als Kaplan in Beelen und Herbern t\u00e4tig war, verwaltete er\nseit dem 15. August 1895 in vorbildlicher Pflichttreue 43 Jahre hindurch das\nPfarramt Wulfen, bis er sich durch Alter gezwungen sah, dasselbe am 03.\nSeptember 1938 niederzulegen. Die gro\u00dfe Liebe und Verehrung der Pfarrkinder zu\nihrem Seelenhirten kam besonders bei seinem 30j\u00e4hrigen Priesterjubil\u00e4um im\nJahre 1932, dem 40j\u00e4hrigen Pfarrjubil\u00e4um im Jahre 1935, bei der\nPfarrabschiedsfeier im Jahre 1938 und bei dem 60j\u00e4hrigen Priesterjubil\u00e4um zum Ausdruck,\ndas der altehrw\u00fcrdige Priestergreis noch am 28.06.1942 unter gro\u00dfer Anteilnahme\nder ganzen Gemeinde feiern konnte. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand\nblieb Pfarrer Conermann bei seiner Pfarrgemeinde, wohnte bei der hiesigen\nSchwesternniederlassung im Mechtildisstift und war bis zu seinem Lebensende\nnoch eifrig um das Seelenheil all seiner ehemaligen Pfarrkinder bem\u00fcht. Auf dem\nneuen Friedhof wurde er unter gro\u00dfer Beteiligung des Gemeinde Wulfen,\nzahlreicher Geistlichen von nah und fern, sowie der Vertreter der Beh\u00f6rden am\n02. Januar 1943 zur letzten Ruhe gebettet.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Als Pfarrer mit Leib und Seele war Gustav\nConermann, obwohl \u201e\u2026 eine ausgesprochen feingliedrige und zierliche\nPers\u00f6nlichkeit, der man beim ersten Anblick keine gro\u00dfen k\u00f6rperlichen Leistungen\nzutrauen mochte\u201c ausgesprochen tatkr\u00e4ftig. Anl\u00e4sslich seines 30j\u00e4hrigen\nPriesterjubil\u00e4ums schrieb H. J. Schwingenheuer \u00fcber ihn im Heimatkalender 1933:\n\u201eW\u00e4hrend der 37 Jahre, die Pfarrer Conermann bis jetzt in Wulfen verlebte,\ntaufte er 1.866 kleine Erdenb\u00fcrger. Diese Zahl entspricht der heutigen\nEinwohnerzahl von Wulfen. 326 Paare konnte er am Altare trauen, und 819 Toten\ngab er bisher das letzte Geleit [\u2026]. Die Einwohner wissen ihm Dank daf\u00fcr und\nhaben es ihm am Jubeltage zu erkennen gegeben.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Als\nPfarrer Conermann 1938 in den Ruhestand trat, erbat er sich von seinem Bischof\ndie Erlaubnis, in Wulfen bleiben und weiter t\u00e4tig sein zu d\u00fcrfen. Der Wunsch\nwurde ihm erf\u00fcllt; seine Gemeinde war hoch erfreut. Bis zu seinem Tod hielten\ndie Wulfener ihm unverbr\u00fcchlich die Treue. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Schwierig wurde es damit allerdings f\u00fcr seinen\nNachfolger im Amt, Pfarrer Franz Janmieling. In der Wulfener Kirchenchronik\nlegte Pfarrer Janmieling seine Situation dar und verfasste ein ausf\u00fchrliches\nPortr\u00e4t seines Vorg\u00e4ngers:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eAls ich, Janmieling, &nbsp;die\nPfarrei Wulfen antrat, blieb mein Vorg\u00e4nger, Pfarrer. Conermann hier wohnen und\nt\u00e4tig. Anfangs ging ich samstags in den Beichtstuhl; aber, weil es sich\nwirklich nicht lohnte, bin ich nachher ganz herausgeblieben. Als Kaplan Mehring\neingezogen wurde, habe ich seinen Beichtstuhl bezogen, aber Arbeit hatte ich\nnicht. Am Vorabend von Palmsonntag nur 2 P\u00f6nitenten \/<em>Beicht<\/em><em>en<\/em><em>de<\/em>\/. Nur am Karsamstag hatte ich zu tun, weil\nkeine Aushilfe da war. Die Schulentlas\u00adsungskinder hatten sich bei ihrer\nEntlassungsbeichte so verteilt: Pfarrer Conermann: 15 M\u00e4dchen und 5. Knaben;\nPater: 10 Knaben; ich 0. Am Karsamstag\nzelebrierte ich das Amt. Als ich die hl. Kommunion austeilen wollte, kam kein\nMensch. Erst als Pfarrer Conermann anfing, kam eine ganze Anzahl von\nKommunikanten. Am Wei\u00dfen Sonntag war ein Franziskanerpater zur Aushilfe hier.\nAuch er hatte am Vorabend wenig zu tun. Am Sonntagmorgen hat er nur 2 Beichten\ngeh\u00f6rt. Ich habe nur bei den Kinderbeichten mitgemacht. \/\u2026\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am 12. Januar 1942\nerkrankte Pfarrer Conermann bedenklich. Die Feiertage hatten ihn offenbar zu\nsehr angegriffen. Allgemein war\nman der Meinung, da\u00df dies seine letzte Krankheit sein w\u00fcrde. Aber nach einigen\nWochen kam er wieder zur Kirche, stieg aber von nun an mit Hilfe der Me\u00dfdiener\nden Altar hinauf und hinunter. Von da war Sonntags regelm\u00e4\u00dfig Aushilfe hier,\nbis zu dem Fasten von den Franziskanern in Dorsten, dann\nvon den Benediktinern in Gerleve. Gew\u00f6hnlich kam P. Willibald Weber aus dem\naufgehobenen Kloster Seckam in K\u00e4rnten. Das Osterfest mu\u00dften wir ohne Aushilfe\nfeiern. Morgens sa\u00df alles wieder vor Conermann\u2019s Confessionale \/<em>Beichtstuhl<\/em>\/. Als er zur ersten Messe\nzur Sakristei ging, wanderte alles zur anderen Seite. \/\u2026\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am Sonntag, dem 28. Juni,\nfeierte die Gemeinde das diamantene Jubil\u00e4um des Pfarrer I.R. Conermann. Der\nJubilar hielt selbst das Festhochamt. Am 29. dem Feste Peter und Paul, dem\neigentlichen Jubeltag, hielt er noch einmal ein Hochamt. Bei beiden \u00c4mtern war\nnoch Platz in der Kirche. Eine \u00e4u\u00dfere Feier fand wegen der Zeitverh\u00e4ltnisse\nnicht statt. \/\u2026\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Am Sonntag, dem 27. Dezember, abends\n15 Minuten nach 6 Uhr entschlief Pastor Conermann. Es soll im Folgenden\nversucht werden, ein Bild des Verstorbenen zu zeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Pastor Conermann<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Pastor Gustav Conermann ist am\n8. M\u00e4rz 1855 geboren in der Bauernschaft Rodde bei Rheine als Sohn eines\nBauern. Das Gymnasium absolvierte er in Meppen. Theologie studierte er zuerst\nan der Akademie zu M\u00fcnster. In Freising trat er in das Priesterseminar. Dort\nempfing er auch die Priesterweihe am 29. Juni 1882. Als junger Priester wurde\ner von dem sel. Arnold Janssen, der damals die Steyler Missionsgesellschaft\ngr\u00fcndete, eingeladen zur Mitarbeit. Aber der Generalvikar Giese hielt ihn\nzur\u00fcck, indem er auf den Priestermangel im Bistum M\u00fcnster hinwies. Conermann\nkam nur f\u00fcr Kurz-Zeit zur Aushilfe nach Suderwich bei Recklinghausen. Am 15.\nOktober 1882 kam er als Kaplan nach Beelen bei Warendorf und im April 1893 nach\nHerbern. Am 15. August 1895 zog er als Pfarrer in Wulfen ein. Er war dazu\nvorgeschlagen vom Grafen von Merveld [Merveldt], dem Patronatsherren der\nWulfener Kirche, der ihn als Besitzer des Schlosses Westerwinkel bei Herbern\nkennengelernt hatte. Als er in Wulfen einzog, war er der j\u00fcngste Pfarrer des\nBistums, als er abdankte, der \u00e4lteste Pfarrer, und er starb als senior cleri\ntotius dioeceseos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Von Gestalt war Conermann klein\nund schm\u00e4chtig, so da\u00df die Leute bei seiner Einf\u00fchrung sagten: \u201aan diesem haben\nwir nicht lange einen Pastor.\u2018 Die Zeit hat das Gegenteil gezeigt. \u00d6fters hat\ner erz\u00e4hlt, da\u00df er auf dem Meppener Gymnasium Vorturner gewesen sei. Im Essen\nund Trinken war er sehr m\u00e4\u00dfig. Er a\u00df fast unglaublich wenig. Jedoch durfte bei\nkeinem Fr\u00fchst\u00fcck Honig fehlen. Vielleicht ist es diesem und seiner M\u00e4\u00dfigkeit\nzuzuschreiben, da\u00df er bis ins hohe Alter k\u00f6rperlich und geistig frisch blieb.\nDas N\u00fcchtern bleiben machte ihm \u00fcberhaupt keine M\u00fche. Nach am letzten Sonntag,\nan dem er zelebrierte, blieb er bis zum Schlu\u00df der letzten hl. Messe in der\nKirche \u2013 n\u00fcchtern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In seinem Alter trank er \u00f6fters\nam Tage etwas Milch. Wein trank er nur in Gesellschaft und dann sehr m\u00e4\u00dfig.\nSchwarzbrot, das eigentliche Nahrungsmittel des Westfalen, hat er seit seiner\nSeminarzeit nicht gegessen, weil er es, wie er sagte, nicht vertragen konnte.\nDagegen verschm\u00e4hte er nicht eine Tasse guten Kaffees. Seine Leidenschaft war\ndas Rauchen. Im Hause die lange Pfeife, drau\u00dfen die Zigarre \u2013 so war man es bei\nihm gewohnt, so lange er ausgehen konnte, d.h. bis 4 Wochen vor seinem Tode.\nNoch als 87j\u00e4hriger konnte er morgens 10 Uhr schon die zweite lange Pfeife\nanstecken. Das letzte Mal hat er 3 Tage vor seinem Tode geraucht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Als Pfarrer von Wulfen wurde\nConermann der Nachfolger des Pfarrers Verspohl, der noch eine kleine\nLandwirtschaft betrieben hatte. Conermann gab diese bald auf und sagte: \u201aWenn\nich Bauerei betreiben wollte, dann h\u00e4tte ich nicht Priester zu werden brauchen.\u2018\nVerwandt mit diesem Zuge ist der andere, da\u00df er seinen Namen mit einem C\nschrieb, w\u00e4hrend seine Br\u00fcder ihn mit K schreiben. Gesellschaftlichen Verkehr\nscheint er als Pfarrer nur mit dem Pastor Stegemann von Hervest unterhalten zu\nhaben, dessen Bild sein Zimmer schm\u00fcckte. Ein Conveniat \/<em>Zusammenkunft der katholischen Geistlichen\neines Dechanats<\/em>\/ hat er als Pastor nie regelm\u00e4\u00dfig besucht. Wenn\nihn Verwandte besuchten, so dr\u00e4ngte er gew\u00f6hnlich auf baldige Abfahrt. Nur die\nTochter seiner Schwester hat mehrere Jahre im Pfarrhause gewohnt und von hier\naus die Schule der Ursulinen in Dorsten besucht. Gegen seine Kapl\u00e4ne kehrte er\netwas den Pfarrer hervor. Er lie\u00df sie nicht recht an die Arbeit \u2013 begreiflich,\nweil Wulfen keine Gemeinde f\u00fcr zwei gesunde Arbeitskr\u00e4fte ist. Weil er wenig\ngesellschaftliche Bed\u00fcrfnisse hatte, verlie\u00df er auch sehr wenig seine Gemeinde.\nAls er einst um 1930 eine mehrw\u00f6chige Kur in Ems machen sollte, kehrte er nach\n8 Tagen wieder zur\u00fcck. In seinen Ruhestandsjahren hat er nur einmal eine Nacht\nau\u00dferhalb Wulfens zugebracht, als sein letzter Kaplan Tovar in seiner Heimat\nals Pfarrer eingef\u00fchrt wurde. An dem Mittagessen hat er auch da nicht\nteilgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In seinem t\u00e4glichen Leben\nbeobachtete er eine genaue Ordnung. Morgen nach der Messe war er zu Hause und\narbeitete. Mittags ruhte er etwas im Sessel. Von 3 &#8211; 5 Uhr ging er aus, kehrte\nbei Kranken und anderen ein. Dann war er wieder zu Hause. Um 7 Uhr war\nAbendessen. Von 9 &#8211; 10 Uhr unterhielt er sich mit seinem Hauspersonal. Um 10\nUhr zog er sich zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Von seinem Christen- und\nPriesterleben mu\u00df man sagen: tiefgl\u00e4ubig und kindlich fromm. Mindestens eine\nStunde lang bereitete er sich vor auf die hl. Messe, die er an Werktagen\ngew\u00f6hnlich als letzter feierte. Die Danksagung dauerte ihm eine halbe Stunde.\nDas Sakrament der Bu\u00dfe empfing er alle 14 Tage. In seinem Nachla\u00df fand sich ein\nGebetb\u00fcchlein, in dem die Bl\u00e4tter, die die Abendandacht enthielten, ganz\nabgegriffen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im Religionsunterricht hielt er\nstreng auf Ordnung. Die Me\u00dfdiener betreute er bis zu seiner Pensionierung\nselbst. Er sah strenge darauf, da\u00df sie die lateinischen Antworten fehlerfrei\nbeteten und ihren Dienst tadellos verrichteten. Bemerkte er einen Fehler, so\nwurde dieser sofort nach der Messe gr\u00fcndlich verbessert. Manchmal ri\u00df ihn sein\nTemperament so mit, da\u00df er die Me\u00dfdiener schon am Altare in handgreiflicher\nWeise zurechtsetzte. Seine Predigten schrieb er von Anfang bis zu Ende in\nsch\u00f6ner Schrift auf. In seinem Nachla\u00df fanden sich zahlreiche\nPredigtmanuskripte. Er predigte gut und wurde gern geh\u00f6rt. In seinen sp\u00e4teren\nJahren konnte er sich wegen schwacher Stimme nicht mehr verst\u00e4ndlich machen.\nStandespredigten scheint er in den letzten Jahren sehr wenige gehalten zu\nhaben. Die Frauen und Jungfrauen kommen auch jetzt nicht zu solchen Predigten,\nweil sie es offenbar nicht gewohnt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Als seine wichtigste\nObliegenheit scheint er den Beichtstuhl angesehen zu haben. Er besa\u00df 4 Werke\n\u00fcber Moraltheorie. Im Beichtstuhl war er unerm\u00fcdlich. Noch im letzten Jahre\nseines Lebens konnte er samstags kurz nach 3 Uhr in den Beichtstuhl gehen und\ndarin aushalten bis \u00bd 7 Uhr. Sonntags morgens kam er oft als erster noch vor\ndem K\u00fcster in die Kirche. In seinem Eifer, um nicht zu sagen: \u00dcbereifer fing er\nwenigstens in seinen letzten Jahren sonntags die hl. Messe sehr unp\u00fcnktlich an;\ner meinte, er m\u00fc\u00dfte zuerst allen die Beichte h\u00f6ren. Am ersten Sonntag, da sein\nNachfolger da war, fing er so die Messe 10 Minuten zu sp\u00e4t an. Weil er in den\nletzten Jahren auch viel Zeit n\u00f6tig hatte f\u00fcr die hl. Messe \u2013 sonntags\ngew\u00f6hnlich 45 Minuten, &#8211; so ist es nicht zu verwundern, da\u00df sich die Unsitte\ndes Zusp\u00e4tkommens sehr eingerissen hat, die schwer wieder abgestellt werden\nkann. Die Leute beantworteten den \u00fcbergro\u00dfen Eifer des Pfarrers im Beichtstuhl\ndamit, da\u00df fast alle zu ihm beichten kamen, und f\u00fcr den Kaplan wenig zu tun\n\u00fcbrigblieb. Als er nach Abdankung&nbsp;\nfortfuhr, im Beichtstuhl zu arbeiten \u2013 er hatte sich bei der\nVerzichtleistung ausbedungen, da\u00df er in Wulfen bleiben und weiter mitarbeiten\nd\u00fcrfe \u2013 fand sich sein Nachfolger v\u00f6llig kaltgestellt bis zu dem Augenblicke,\nda der Kaplan zum Milit\u00e4r eingezogen wurde und dann wieder von dem Tage an, da\nein Stellvertreter des eigentlichen Kaplans kam, der gegen den Wunsch und\nWillen des amtierenden Pfarreres vom Bischof geschickt wurde. Da\u00df Pfarrer\nConermann die Kranken flei\u00dfig besuchte und fast alle Krankenversehg\u00e4nge zu\nmachen hatte, ist nach dem Vorhergesandten selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In der Gemeinde machte er einmal\nim Jahr zur Weihnachtszeit, sp\u00e4ter zur Osterzeit einen Grundgang, wobei er jede\nFamilie besuchte. Gegen seine Pfarrkinder war er im Verkehr freundlich. Doch\nkonnte er auch gegen die W\u00fcnsche aus der Gemeinde sehr zur\u00fcckhaltend sein. Die Bewohner von Deuten\nund S\u00f6lten haben es ihm sehr \u00fcbelgenommen, da\u00df er allerlei Schwierigkeiten\nmachte, als in Deuten eigener Gottesdienst eingerichtet werden sollte. Noch bei\nseinem Diamantenen Priesterjubil\u00e4um erschien kein Mitglied der kirchlichen\nK\u00f6rperschaften aus Deuten zur Gratulation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In Geldsachen war Pfarrer\nConermann genau im Kleinen. Das hat ihm bei einigen den Ruf eines geldgierigen\nMenschen eingebracht. Sehr zu Unrecht. Denn im Gro\u00dfen war er freigebig. Er hat\nmit seinem eigenen Geld z.B. eine Anzahl neuer Kirchenb\u00e4nke angeschafft, das\nneue Seitenportal der Kirche und die Kaplanei gebaut. Manchen Leuten gab er\nDarlehen ohne eine andere Sicherheit als einen Schuldschein. Knaben aus der\nGemeinde, welche sich zum Studium entschlossen, unterst\u00fctzte er gro\u00dfz\u00fcgig durch\nErteilung von Lehrstunden und mit Geld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die Arbeit mit Akten und\nParagraphen lag ihm nicht. Was notwendig war, tat er; mehr aber nicht. F\u00fcr\nKunst, besonders f\u00fcr die Kunst der letzten Jahrzehnte hatte er kein Verst\u00e4ndnis\nund kein Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Im \u00dcbrigen fehlte es ihm an dem\nrechten Weltblick, sonst h\u00e4tte er seinen geistlichen Mitarbeiter mehr an die\nArbeit gelassen, fr\u00fcher das Pfarramt aufgegeben und beim Eintritt in den\nRuhestand seinem Nachfolger vorbehaltlos das Feld ger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">So hat Pfarrer Conermann gelebt\nund gewirkt als ein tieffrommer, gewissenhafter und eifriger Priester. Wie sein\nLeben, so war sein Sterben. Im Januar 1942 wurde er ernstlich krank. An den\nEmpfang der letzten \u00d6lung erinnert, sagte er: So weit ist es mit mir noch nicht\ngekommen! Am Sonntag, 13.12., feierte er seine letzte heilige. Messe. In seiner\nKrankheit empfing er jeden Morgen die heilige Kommunion. Auch war er sofort\nbereit, die letzte \u00d6lung zu empfangen. Am Sonntag, dem 27. Dezember, entschlief\ner ohne Todeskampf unter den Gebeten seines Mitbruders kurz nach 6 Uhr abends.\nSeine sterblichen \u00dcberreste ruhen auf dem neuen Friedhof vor dem\nFriedhofskreuz. M\u00f6ge seine Seele ruhen in Gott!\u201c\n\nAm 3. Februar 1945 verzichtete\nPfarrer Janmieling freiwillig auf die Planstelle des Pfarrers in der Gemeinde Wulfen:\n\u201eAls ich diese Pfarre antrat, blieb mein Vorg\u00e4nger hier und\nwirkte weiter in der Seelsorge. So war ich im Confessionale wenigstens\n\u00fcberfl\u00fcssig. Aber auch nach seinem Tode habe ich keinen Fu\u00df fassen k\u00f6nnen. Die\nPl\u00e4tze an meinem Confessionale blieben auch dann noch an Samstagen und\nSonntagen leer. Ich habe dies als eine Volksabstimmung gegen mich angesehen und\nden Bischof gebeten meinen Verzicht anzunehmen. Er hat dies getan. Und so nahm\nich am Sonntag, dem 4. M\u00e4rz Abschied von der Gemeinde.\u201c Am 11. M\u00e4rz wurde er als\nPfarrer von Nienborg eingef\u00fchrt. Da er wegen der Kriegsverh\u00e4ltnisse &#8211; die\nKampffront r\u00fcckte bedenklich n\u00e4her &#8211; seine M\u00f6bel nicht hatte mitnehmen k\u00f6nnen,\nkehrte er am Donnerstag darauf nach Wulfen zur\u00fcck, um erst am 12. April<br>\nper Rad seine bisherige Pfarrgemeinde endg\u00fcltig zu verlassen. So wurde er noch\nZeuge, wie am Donnerstag, dem<strong> <\/strong>22. M\u00e4rz 1945, Wulfen von 100 bis 125 amerikanischen Bomben\nin Viererserie von je 25 bis 30 Bomben getroffen wurde.\n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"> Quellen:<br>&#8211; H. J. Schwingenheuer \u201eAus Pfarrers Conermanns Leben und Wirken:<br>Gedanken zu seinem goldenen Priesterjubil\u00e4um am Feste Peter und Paul\u201c<br>in HK 1933.<br>&#8211; Buch \u201e800 Jahre Wulfen 1173-1973\u201c<br>&#8211; Buch Heimatverein Wulfen, &#8222;Wulfen &#8211; Geschichte und Gegenwart&#8220;, S.87<br>&#8211; Wulfener Dorfchronik<br>&#8211; Wulfener Kirchenchronik<br>&#8211; <a href=\"http:\/\/wulfen-wiki.de\/index.php\/Gustav_Conermann\">http:\/\/wulfen-wiki.de\/index.php\/Gustav_Conermann<br><\/a>&#8211; <a href=\"http:\/\/www.dorsten-lexikon.de\/c\/conermann-gustav\/\">http:\/\/www.dorsten-lexikon.de\/c\/conermann-gustav\/<\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrer Gustav Conermann (*1855 in Rodde bei Rheine \u20201942 in Wulfen) wurde am 28.06.1932 anl\u00e4sslich seines goldenen Priesterjubil\u00e4ums wegen seiner Verdienste um Wulfen zum ersten und bislang einzigen Ehrenb\u00fcrger von<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/conermann-gustav-pfarrer\/\" class=\"more-link themebutton\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_cbd_carousel_blocks":"[]","footnotes":""},"class_list":["post-3015","page","type-page","status-publish","hentry"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-11 16:38:48","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3015","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3015"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3015\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7974,"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3015\/revisions\/7974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}