{"id":369,"date":"2016-04-18T15:46:38","date_gmt":"2016-04-18T13:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.2.231\/wp01\/?page_id=369"},"modified":"2022-11-17T00:09:29","modified_gmt":"2022-11-16T23:09:29","slug":"schnatgaenge","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/schnatgaenge\/","title":{"rendered":"Schnatg\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001.jpg\" rel=\"lightbox[369]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-300x225.jpg\" alt=\"Schnat_001\" class=\"wp-image-1198\" srcset=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-300x225.jpg 300w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-768x576.jpg 768w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001.jpg 960w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-480x360.jpg 480w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-320x240.jpg 320w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_001-240x180.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Aufgrund der im Mittelalter reich vorhandenen Landfl\u00e4chen bestand keine Notwendigkeit, dem einzelnen Nachbarn genaue Grenzmarken f\u00fcr die Bewirtschaftung von Acker, Weide und Wald zu setzen. Mit zunehmender Besiedlung und wachsender Bev\u00f6lkerung ergab sich hierf\u00fcr jedoch aus verschiedenen Gr\u00fcnden ein immer gr\u00f6\u00dferes Bed\u00fcrfnis. Immer h\u00e4ufiger kam es damals zu Grenzstreitigkeiten, die meistens nur durch Lokaltermine der Markengerichte, auch Holzgerichte oder H\u00f6lting genannt, geschlichtet werden konnten. Zur Vermeidung solcher Grenzstreitereien w\u00e4re es hilfreich gewesen, Grenzen genau zu bezeichnen und in Karten festzuhalten. Dies war in damaliger Zeit in Ermangelung erforderlicher Hilfsmittel gro\u00dffl\u00e4chig nicht m\u00f6glich. Da auch nat\u00fcrliche Grenzen wie B\u00e4che, Fl\u00fcsse und Anh\u00f6hen oftmals nicht zur Festlegung der Nutzungsgrenzen ausreichten, mussten k\u00fcnstliche Grenzmale wie Gr\u00e4ben und Wallhecken oder Landwehren hierf\u00fcr herhalten. Die Landwehren bestanden aus mehreren, nebeneinander laufenden Gr\u00e4ben, die in gr\u00f6\u00dferem Umkreis um die St\u00e4dte und D\u00f6rfer zum Schutz vor feindlichen \u00dcberf\u00e4llen angelegt wurden und deren Erdaushub zu W\u00e4llen aufgeworfen war. Im Laufe der Zeit waren die W\u00e4lle dieser Landwehren stark mit Dornengestr\u00fcpp und dichten B\u00e4umen bewachsen, so dass sie manchmal schier undurchdringlich waren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002.jpg\" rel=\"lightbox[369]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-300x225.jpg\" alt=\"Schnat_002\" class=\"wp-image-1203\" srcset=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-300x225.jpg 300w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-768x576.jpg 768w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002.jpg 960w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-480x360.jpg 480w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-320x240.jpg 320w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_002-240x180.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">In Wulfen war bis zur Verkoppelung im Jahre 1914 noch eine derartige Landwehr im \u201eLinnert\u201c vorhanden. Grenzmarkierungen erfolgten auch mittels abgeschnittener Zweige. Diese \u201eSchnat\u201c oder auch \u201eSchnad(e)\u201c genannte Kennzeichnung stammt aus dem mittelhochdeutschen \u201esnatte\u201c und bezeichnet ein junges, abgeschnittenes Reis (Zweig). Laut Brockhaus dient in der Umgangssprache das Wort \u201eSchnatte\u201c auch der Bezeichnung f\u00fcr Kerbe, Ritz oder Riss. Vielfach dienten freistehende, markante B\u00e4ume als Grenzzeichen. Diese \u201eSchnatb\u00e4ume\u201c wurden meist besonders gekennzeichnet, indem ein Merkmal in den Stamm gehauen, \u201egepleckt\u201c wurde, sei es ein besonderes Kennzeichen wie Kreuz oder ein Wappen. Oftmals mussten auch eingegrabene Pf\u00e4hle als Richtzeichen dienen. Diese h\u00f6lzernen Grenzzeichen hatten aber den Nachteil, dass sie im Laufe der Jahre verrotteten oder unkenntlich wurden. Man ging dann dazu \u00fcber, das Holz durch Steine zu ersetzen. Solche Grenzsteine wurden auch \u201ePalsteine\u201c oder \u201eFriedesteine\u201c genannt, weil sie einen befriedeten Raum umschlossen. So hatte sich im Laufe der Zeit eine ziemlich genaue Grenzziehung herausgebildet. In Ermangelung von Karten und sonstigen Aufzeichnungen musste nun nat\u00fcrlich daf\u00fcr gesorgt werden, dass die Schnatzeichen nicht in Vergessenheit gerieten, sondern von Generation zu Generation beachtet wurden. Daraus ergaben sich die \u201eSchnatg\u00e4nge\u201c genannten Grenzbegehungen, die wegen der meist gro\u00dfen Ausdehnung der Marken, dem gemeinsamen Nutzungsgebiet der angrenzenden H\u00f6fe, im Allgemeinen nicht an einem einzigen Tag durchgef\u00fchrt werden konnten. So verteilte man die Begehung der Markengrenzen in einzelne Abschnitte auf ein oder mehrere Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Lange schon sind die Grenzen der Besitz- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse nun geod\u00e4tisch vermessen, versteint und kartenm\u00e4\u00dfig erfasst. Dieses hatte letztendlich in der Hauptsache jedoch monet\u00e4re Gr\u00fcnde! So wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im hiesigen Bereich die Einf\u00fchrung der Grundsteuer angeordnet. Zur Festlegung der Grundsteuerumlage wurde von 1822 bis 1825 in unserem Raum die katasterm\u00e4\u00dfige Vermessung der Grundfl\u00e4chen durchgef\u00fchrt. Resultat daraus ist u.a. die Urkatasterkarte der ehemaligen Gemeinde Wulfen von 1822.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1.jpg\" rel=\"lightbox[369]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-300x225.jpg\" alt=\"Schnat_004\" class=\"wp-image-1205\" srcset=\"https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1.jpg 960w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-480x360.jpg 480w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-320x240.jpg 320w, https:\/\/heimatverein-wulfen.de\/wp01\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Schnat_004-1-240x180.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Die in dieser Urkatasterkarte dargestellte Markierung der insgesamt ca. 35 km langen Grenze der ehemals selbstst\u00e4ndigen Gemeinde Wulfen wurde bei den vom Heimat- verein Wulfen 1922 e.V. bereits seit 1936 durchgef\u00fchrten Schnatg\u00e4ngen zugrunde gelegt. Mit den anfangs genannten Begr\u00fcndungen h\u00e4tten die Grenzbegehungen in unserer heutigen Zeit keine Berechtigung mehr. Um aber den Mitb\u00fcrgern und nachkommenden Generationen die ehemaligen Grenzen ihres Heimatortes in Erinnerung zu halten und damit der Bev\u00f6lkerung die Heimat und ihre Geschichte n\u00e4her zu bringen, h\u00e4lt der Heimatverein Wulfen an diesem uralten westf\u00e4lischen Brauchtum fest.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th><strong>Die Wulfener Schnatg\u00e4nge<\/strong><\/th><\/tr><tr><th>Nummer<\/th><th>Datum<\/th><th>Abschnitt<\/th><th>gemeinsame Grenze mit<\/th><th>Teilnehmer<\/th><th>Leitung des Schnat-ganges<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>01<\/td><td>25.04.1936<\/td><td>Nordwest<\/td><td>Lembeck-Rhade-Altschermbeck<\/td><td>45<\/td><td>Heinrich Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><td>02<\/td><td>29.05.1937<\/td><td>S\u00fcdwest<\/td><td>Altschermbeck-Hervest<\/td><td>40<\/td><td>Heinrich Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><th><strong>12 Jahre Unterbrechung (2. Weltkrieg)<\/strong><\/th><\/tr><tr><td>03<\/td><td>21.05.1949<\/td><td>S\u00fcd\u00f6st<\/td><td>Hervest-Lippramsdorf<\/td><td>50<\/td><td>Herm.-Jos. Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><td>04<\/td><td>09.09.1950<\/td><td>Nordost<\/td><td>Lippramsdorf-Lembeck<\/td><td>25<\/td><td>Herm.-Jos. Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><td>05<\/td><td>26.04.1952<\/td><td>Nord<\/td><td>Lembeck<\/td><td>18<\/td><td>Herm.-Jos. Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><td>06<\/td><td>30.05.1958<\/td><td>Nordwest<\/td><td>Lembeck-Rhade-Altschermbeck<\/td><td>41<\/td><td>Herm.-Jos. Schwingenheuer<\/td><\/tr><tr><th><strong>26 Jahre Unterbrechung<\/strong><\/th><\/tr><tr><td>07<\/td><td>30.03.1985<\/td><td>Nord<\/td><td>Lembeck<\/td><td>18<\/td><td>Bernhard Schumacher<\/td><\/tr><tr><td>08<\/td><td>25.01.1986<\/td><td>Nord\/Nordost<\/td><td>Lembeck<\/td><td>36<\/td><td>Bernhard Schumacher<\/td><\/tr><tr><td>09<\/td><td>26.04.1986<\/td><td>Nord\/Nordwest<\/td><td>Lembeck, Jubil\u00e4umsgang,<br>50 Jahre<\/td><td>28<\/td><td>Bernhard Schumacher<\/td><\/tr><tr><td>10<\/td><td>06.12.1986<\/td><td>S\u00fcd\/Nordost<\/td><td>Lippramsdorf-Lembeck<\/td><td>15<\/td><td>Bernhard Schumacher<\/td><\/tr><tr><td>11<\/td><td>12.09.1987<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest-Lippramsdorf<\/td><td>21<\/td><td>Bernhard Schumacher<\/td><\/tr><tr><td>12<\/td><td>20.05.1989<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest-und Grenze Bauersch. Dorf-Deuten<\/td><td>17<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><th><strong>10 Jahre Unterbrechung<\/strong><\/th><\/tr><tr><td>13<\/td><td>24.10.1999<\/td><td>Nord<\/td><td>Lembeck<\/td><td>7<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>14<\/td><td>19.03.2000<\/td><td>Nord\/Nordost<\/td><td>Lembeck<\/td><td>17<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>15<\/td><td>05.11.2000<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest-und Grenze Bauersch. Dorf-Deuten<\/td><td>15<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>16<\/td><td>01.04.2001<\/td><td>S\u00fcdost<\/td><td>Hervest-Lippramsdorf<\/td><td>20<\/td><td>Willi Duwenbeck<\/td><\/tr><tr><td>17<\/td><td>11.11.2001<\/td><td>Nordost<\/td><td>Lippramsdorf-Lembeck<\/td><td>30<\/td><td>Heinz Sawitzki\/<br>Willi Duwenbeck<\/td><\/tr><tr><td>18<\/td><td>16.08.2003<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest-Lippramsdorf und Grenze Bauersch. Dorf-Deuten<\/td><td>27<\/td><td>Willi Duwenbeck<\/td><\/tr><tr><td>19<\/td><td>04.04.2004<\/td><td>Nord<\/td><td>Lembeck<\/td><td>30<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>20<\/td><td>07.11.2004<\/td><td>Nordwest<\/td><td>Lembeck-Rhade-Altschermbeck<\/td><td>46<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>21<\/td><td>17.04.2005<\/td><td>S\u00fcdwest<\/td><td>Altschermbeck-Holsterhausen<\/td><td>35<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>22<\/td><td>06.11.2005<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest<\/td><td>60<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>23<\/td><td>09.04.2006<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Hervest-Lippramsdorf<\/td><td>115<\/td><td>Heinz Sawitzki\/<br>Willi Duwenbeck<\/td><\/tr><tr><td>24<\/td><td>12.11.2006<\/td><td>S\u00fcd<\/td><td>Lippramsdorf<\/td><td>50<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>25<\/td><td>15.04.2007<\/td><td>S\u00fcd\/Nordost<\/td><td>Lippramsdorf-Lembeck<\/td><td>65<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>26<\/td><td>11.11.2007<\/td><td>Nordost<\/td><td>Lembeck<\/td><td>23<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><tr><td>27<\/td><td>13.04.2008<\/td><td>Nord<\/td><td>Lembeck<\/td><td>28<\/td><td>Heinz Sawitzki<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund der im Mittelalter reich vorhandenen Landfl\u00e4chen bestand keine Notwendigkeit, dem einzelnen Nachbarn genaue Grenzmarken f\u00fcr die Bewirtschaftung von Acker, Weide und Wald zu setzen. 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