Gemeinschaftsgrab

Gemeinschaftsgrab 22. März 1945

Gemeinschaftsgrab in neuem Glanz

Die Zeit hatte an dem Gemeinschaftsgrab für die 23 Opfer des Bombenangriffs auf Wulfen vom 22. März 1945 deutliche Spuren hinterlassen. Im März 2015, anlässlich des 70. Jahrestages der Bombardierung Wulfens, hat sich der Heimatverein Wulfen verpflichtet, auf Dauer die Pflege dieser Gedenkstätte zu übernehmen.

In Abstimmung mit der Kirchengemeinde St. Matthäus und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. wurde das Grab neu gestaltet.

Unterstützt wurde der Heimatverein dabei unentgeltlich durch die Wulfener Baumschule von Dieter Stadtmann. Es wurde die alte Hecke entfernt und das Grab neu eingefasst. Das Grab wurde neu bepflanzt. Des Weiteren wurde ein Steinmetz aus Coesfeld beauftragt, der die Gedenkstele aus Ibbenbürener Sandstein auffrischte. Steinmetz Karl Heilkenbrinker und sein Praktikant Ronny Randau hatten mehrere Stunden damit zu tun, Moose, Flechten und Algen zu entfernen. Außerdem mussten die durch Frostschäden abgeplatzten Teile wieder angeklebt werden. Abschließend wurde noch die obere Abdeckplatte erneuert, damit in Zukunft das Regenwasser dem Sandstein nicht mehr so stark zusetzten kann.

Mit der Neugestaltung wurde für Friedhofsbesucher eine Bank zum Verweilen aufgestellt. Die Kosten dafür werden von der Kirchengemeinde St. Matthäus übernommen.

22. März 1945 Tag der Bombardierung Wulfens

Der 22. März 1945 wird Wulfens Schicksalstag.

Morgens, um 10:10 Uhr werden bei einem Angriff eines amerikanischen Bomberverbandes vier Bombenteppiche über das Dorf gelegt;
der erste trifft das Dorf und die Kirche,
der zweite den Bahnhof,
der dritte den neuen Friedhof und
der vierte die Häuser Auf der Koppel.

Insgesamt werden von etwa 125 Sprengbomben von 5 bis 10 Zentnern Gewicht außer der Kirche 15 Häuser total zerstört, 7 weitere müssen sofort geräumt werden und 12 andere erhalten schwere Beschädigungen. Insgesamt fordert der Angriff 23 Todesopfer. 22 Opfer der Bombenkatastrophe werden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 25.3., Palmsonntag 1945, auf dem ebenfalls von Bomben getroffenen, verwüsteten Friedhof gemeinschaftlich in einem als Grab dienenden Bombentrichter beigesetzt.

Buch: „Kriegskinder, Dorstener Zeitzeugen erzählen“

Im Buch „Kriegskinder, Dorstener Zeitzeugen erzählen“ schildert ein Überlebender diesen 22. März mit den Worten:

„Es war Donnerstag der 22. März 1945 ein herrlicher Frühlingstag, der für viele Wulfener Familien schrecklich endete.

Meine Eltern und wir 5 Kinder wohnten direkt an der Matthäuskirche im Hause der Familie Stolbrink. Von unserem Vater, der als Soldat in Südfrankreich war, hatten wir schon seit einigen Monaten keine Nachricht mehr erhalten. So musste unsere Mutter uns 5 Kinder alleine versorgen und sich um alles kümmern. Unterstützung erhielten wir durch Familie Stolbrink. Insbesondere deren 19jährige Tochter Hilde kümmerte sich immer wieder um uns und unsere Familie.

Unser Bruder ging frühmorgens zu den Nonnen ins Wulfener Schwesternhaus. Ich schob meine zweieinhalbjährige Schwester in einem Handkarren durch das Dorf. Unsere Mutter hatte uns gebeten, bei Sirenenalarm sofort nach Hause zu kommen. Bei einsetzendem Voralarm bin ich dann sofort nach Hause gelaufen und wir (meine Mutter, zwei Brüder, meine Schwester und ich) sowie weitere Dorfbewohner und Angestellte des Lebensmittelgeschäftes Stolbrink und der Post suchten Deckung im Keller der Familie Stolbrink. Dieser Keller war ein Gewölbekeller und galt bei den Dorfbewohnern als besonders sicher. Bereits häufiger hatten wir dort in der Vergangenheit Unterschlupf gesucht.

Bei Bombenangriffen durch einen amerikanischen Bomberverband wurden an diesem Morgen über Wulfen mehr als 100 Sprengbomben von 5 bis 10 Zentnern Gewicht abgeworfen. Die Matthäuskirche und 15 Wohnhäuser wurden total zerstört. Auch das Wohnhaus der Familie Stolbrink wurde komplett zerstört.

Unter den Opfern im Hause Stolbrink waren meine Mutter, 43 Jahre alt und meine Brüder, 9 und 7 Jahre alt. Auch die 19jährige Hilde Stolbrink, die sich in den vergangenen Wochen und Monate sehr liebevoll um uns bemüht hatte, fand den Tod.

Meine Schwester überlebte den Bombenangriff, auf dem Schoße unserer getöteten Mutter sitzend, mit Verletzungen. Durch Schutt und Geröll wurde der Oberschenkel meines rechten Beines derart gequetscht, dass eine Amputation drohte. Als verletzter Junge kam ich in den Folgewochen zu meinem Onkel zum Surick. Hier wurde mein Bein durch Schwester Lohmeyer vom Roten Kreuz und meinen Tanten täglich gut versorgt. Ich bekam Wechselbäder, sie salbten und massierten mein Bein. Diese intensive Pflege rettete mir mein Bein.

Von den damals 11 Überlebenden aus dem Keller der Familie Stolbrink leben heute noch Henriette Schwark in Wulfen, meine Schwester Hildegard in Düsseldorf und ich (Hermann Grewer).

Viele Wulfener verloren einen Teil der Familie, verloren Freunde und Bekannte.“

Die Opfer des 22. März 1945 in Wulfen: