Dorf

Wulfens älteste Vereinigung, die Dorfnachbarschaft ist aus der Dorfbauerschaft Wulfen hervorgegangen und hat vermutlich bereits Ende des 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts existiert. Aufzeichnungen hierrüber gibt es nicht mehr. Gesichert ist jedoch das Datum 1664, wo die Eintragungen im „Buch der Dorfnachbarschaft Wulfen“ beginnen. Das Buch wurde bis 1818 geführt und ist heute leider nicht mehr auffindbar.

Das älteste erhaltene Dokument ist eine Rechnung an die „Wulfische Dorf Bauerschaft“ von 1797. Die in der Rechnung genannten Leistungen zum Gemeinwohl der Dorfgemeinschaft wie die Pflanzung einer neuen Hecke, das Fällen eines Baumes oder der Bau einer neuen Brücke verdeutlichen den Zweck der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe bis in unsere Tage. Die gegenseitige Hilfe ist seit alters her auch Bestandteil der im Laufe der Zeit erstellten Satzungen, wobei sich in diesem Punkt die letzte gültige Fassung von 2001 kaum von der ältesten noch vorhandenen Satzung aus dem Jahre 1926 unterscheidet.

Die aktuell gültige Fassung von 2001 enthält folgenden Text: „Die Dorfnachbarschaft Wulfen setzt sich für die Wahrung und Förderung der nachbarschaftlichen Beziehungen aller Mitglieder ein. Sie hat den Zweck, für gegenseitige Hilfe bei Sterbe- und Unglücksfällen sowie die gemeinsame Ausführung überlieferter Bräuche, Aufgaben und Feiern zu sorgen.

Ähnlich lautet der Text gem. § 1 der Satzung vom 15.02.1926: „Die Familien der Nachbarschaft verpflichten sich in Sterbe- aber auch bei sonstigen schweren Unglücksfällen, wie Feuerbrunst, Wassernot usw. sich gegenseitig zu helfen“.

Bisher wurde vermutet, dass sich die Dorfnachbarschaft Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts in die zwei Nachbarschaften „Hinsken“ und „Humbert“ geteilt hat. Genau lässt sich das nicht mehr ergründen, da schriftliche Aufzeichnungen erst ab 1926 vorhanden sind. Zu diesem Zeitpunkt haben die beiden Dorfnachbarschaften noch eng miteinander gearbeitet haben, da für beide Nachbarschaften exakt die gleiche Satzung in Heftchenform gedruckt wurde, lediglich die Namen der jeweiligen Vorsteher (Vorsitzenden) und Schriftführer sind unterschiedlich. Vermutlich wollte man nach den Mangeljahren des 1. Weltkrieges Kosten sparen. Weiterhin interessant der gemeinsamen Satzung ist auch der Titel auf der 1. Umschlagseite: „Satzungen der Dorf-Nachbarschaft Wulfen, Versammlungslokal Humbert und Hinsken“.

Die frühere Gaststätte Hinsken befand sich im Dorf am Burgring. Erst vor einigen Jahren wurde die Gaststätte zu einem Wohnhaus umgebaut. Die Gaststätte bzw. Hotel Humbert existiert noch heute.

Umgangssprachlich wurden die beiden Nachbarschaften als „Halwe Duorp Hinsken“ oder „Halwe „Duorp Humbert“ bezeichnet, dann wusste jeder wer gemeint war. Trotz der späteren Wiedervereinigung zur Dorfnachbarschaft Wulfen im Jahre 2000, wird in Wulfen heute noch häufig von der „Noaberschopp Halwe Duorp“ gesprochen.

Bis 1963 tagte und feierte die Nachbarschaft Hinsken in den Räumlichkeiten der namensgleichen Gaststätte am Burgring. Aufgrund beengter Platzverhältnisse sollte Karneval 1964 das traditionelle Kaffeetrinken der Hinsken Frauen im Saal Hotel Humbert stattfinden. Um eine Überschneidung mit dem zeitgleich im Hotel Humbert stattfindenden Kaffeetrinken der Nachbarschaft Humbert zu vermeiden, wurde zwischen den Vorständen beider Nachbarschaften eine einvernehmliche Vereinbarung getroffen. In Zukunft sollen die Versammlungen der Hinsken und Humbert Männer nicht mehr am Rosenmontag stattfinden, sondern bereits acht Tage vorher. Das Kaffeetrinken der Hinsken Frauen könnte dann am Rosenmontag, sowie das der Humbert Frauen wie bisher am Dienstag stattfinden. Abends ab 19:00 Uhr sollen dann auch die Männer nachkommen um in größerer Runde Karneval zu feiern. Ab dieser Zeit fanden alle Aktivitäten der beiden Dorfnachbarschaften im Hotel Humbert statt.

Anfang der siebziger Jahre mehrten sich aus beiden Nachbarschaften Stimmen, die getrennt stattfindenden Karnevalsfeiern gemeinsam zu gestalten. Um diese Frage zu klären, haben im Okt. 1972 beide Vorstände Ihre Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung einberufen. In jeweils getrennten Sitzungen entschieden sich beide Nachbarschaftern mehrheitlich für eine gemeinsame Karnevalsfeier. Trotz dieses Votums scheiterte die geplante Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Termin. Die Nachbarschaft Humbert war nicht bereit vom gewohnten Dienstagstermin auf Rosenmontag zu wechseln bzw. war die Nachbarschaft Hinsken ebenso nicht gewillt am Dienstag zu feiern.

Es dauerte bis 1986 bis von beiden Vorständen ein neuer Versuch zur gemeinsamen Karnevalsfeier unternommen wurde. Bei den Mitgliedern beider Nachbarschaften wurde eine schriftliche Befragung durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass sich die Nachbarschaft Humbert mehrheitlich dafür und die Nachbarschaft Hinsken dagegen aussprachen.

Wie zuvor beschrieben, fanden die jährlichen Jahreshauptversammlungen der Nachbarschaften Hinsken und Humbert seit einigen Jahren zeitgleich im Hotel Humbert statt und waren nur durch eine Ziehharmonika-Trennwand getrennt. Es war mittleierweile auch üblich, dass zwei Mitglieder der Nachbarschaft Humbert für kurze Zeit die Versammlung der Nachbarschaft Hinsken besucht haben, um zu erfahren, was es in der Nachbarschaft neues gibt. Im Folgejahr erfolgte dann der Gegenbesuch bei der Humbert-Versammlung von zwei Hinsken Mitglieder. Natürlich wurden die jeweiligen Abordnungen bestens mit Getränken und neuesten Informationen versorgt.

Weitere drei Jahre, im Jahr der Wende am 27.01.1989 vollzog sich dann auch bei den beiden Dorfnachbarschaften Hinsken und Humbert eine erste Wende bzw. Annäherung. Dem Vorstand der Nachbarschaft Hinsken wurde an diesem Tag die Vollmacht und der Auftrag erteilt, mit der Nachbarschaft Humbert Vereinbarungen über eine gemeinsame Fastnachtsfeier zu treffen. Die Vorstände beider Nachbarschaften einigten sich darauf, ab 1990 die Karnevalsfeier künftig gemeinsam, jeweils am Samstag vor Rosenmontag im Saal Humbert zu feiern, wobei beide Nachbarschaften selbständig bleiben sollen und sich nur die Kosten teilen.

Der Start des gemeinsamen Feierns begann zunächst holprig. Der Beginn des Golfkrieges Anfang 1991 wurde in beiden Nachbarschaftsversammlungen kontrovers diskutiert. Die anschließende Abstimmung votierte dann mehrheitlich gegen die Durchführung der Karnevalsfeier.

In der Versammlung der Nachbarschaft Humbert am 01.02.1991 wurde auch über Thema Teilnahme von Frauen bei der Generalversammlung diskutiert. Bis zu diesem Zeitpunkt nahmen ausschließlich nur Männer an der jeweiligen Versammlung teil. Nach eingehendem Meinungsaustausch wurde folgender Beschluss gefasst: Den Mitgliederfamilien wird freigestellt ob Mann, Frau oder Beide an der Generalversammlung teilnehmen wollen. Bei Abstimmungen hat jede vertretene Familie durch Mann, Frau oder auch Gemeinsam nur eine Stimme.

Ein Jahr später am 21.02.1992 folgte seitens der Nachbarschaft Hinsken der gleiche Beschluss, Frauen künftig an den jährlichen Generalversammlungen teilnehmen zu lassen.

Bei so vielen Gemeinsamkeiten wie – Kaffeetrinken der Frauen – jährliche Karnevalsfeier – Kränzen bei besonderen Anlässen – Trägerhilfe bei Beerdigungen, – zeitgleich stattfindende Generalversammlung mit Informationsaustausch – Frauen bei Generalversammlung

war es nur noch eine Frage der Zeit wann der nächste Schritt zur Vereinigung erfolgen würde zumal beide Nachbarschaften mit fehlendem Nachwuchs zu kämpfen hatten. 1999 war die Zeit dann reif. Am 18.10.1999 trafen sich die beiden Vorsteher Bernhard Heike (NB Hinsken und Ritschi Vadder (NB Humbert) zu einem ersten Sondierungsgespräch zur Zusammenführung.

Mit der Zielsetzung zur Wiedervereinigung zur „Dorfnachbarschaft Wulfen“ wurde aus beiden Vorständen eine Arbeitsgruppe gebildet um eine gemeinsame Satzung zu entwerfen.

Ein weiteres Treffen der kompl. Vorstände fand am 10.01.2000 statt, um die weitere Vorgehensweise der Zusammenlegung abzustimmen sowie der Satzungsfeinschliff.

Letztmalig tagten dann die Nachbarschaften Hinsken und Humbert am 25.02.2000 getrennt durch eine Schiebetür im Saal Hotel Humbert. Nach den üblichen Regularien wie Geschäftsbericht, Kassenbericht usw. stand bei beiden Versammlungen der Punkt Zusammenschluss auf der Tagesordnung. Hier wurden noch einmal Vor- und Nachteile einer Zusammenlegung besprochen.

Dann erfolgte in beiden Versammlungen der einstimmige Beschluss zur Wiedervereinigung, zur Dorfnachbarschaft Wulfen. Als sichtbares Zeichen des Zusammenschlusses wurde der Raumteiler im Saal geöffnet.

Nach geschätzter ca. 100-jähriger Trennung fand im darauf folgenden Jahr die 1. gemeinsame Generalversammlung der Dorfnachbarschaft Wulfen statt. Zum 1. Vorsteher wurde Ritschi Vadder gewählt, der sein Amt 2010 an Dirk Schulte-Mattler übergab.

Die Vorsteher (Vorsitzenden) seit 1926

Nachbarschaft Humbert

  • ?? – 1926 Herr Dehling
  • 1926 – 1929 Heinrich Reymann
  • 1929 – 1930 Heinrich Harding
  • 1930 – 1933 Bernhard Stollbrink
  • 1933 – 1934 Philipp Woll
  • 1934 – 1966 Johann Dehling
  • 1966 – 1976 Wilhelm Rößmann
  • 1976 – 1990 Hermann Mergen
  • 1990 – 1998 Wilhelm Haddick 1998
  • – 2001 Ritschi Vadder

Nachbarschaft Hinsken

  • ? – 1926 Ehrenvorsitzender Fritz Stollbrink
  • 1926 – 1951 Bernhard Real
  • 1951 – 1959 Heinrich Roring
  • 1959 – 1971 Bauer Fritz Holtrichter
  • 1971 – 1992 Josef Mergen
  • 1992 – 2001 Bernhard Heike

Dorfnachbarschaft Wulfen

  • 2001 – 2010 Ritschi Vadder
  • seit 2010 Dirk Schulte-Mattler

Die Dorfnachbarschaft Wulfen beteiligt sich auch mit einem Wappen am 2011 errichteten Wappenbaum im Park Holtkamps Hof. Das Wappen zeigt eine Eiche als Zeichen der tiefen Verwurzelung mit der Gemeinde. Davor zwei ineinander greifende Hände für die gegenseitige Hilfe und den Zusammenschluss der Nachbarschaften. Der Rosenkranz symbolisiert die Verbundenheit mit dem Herrgott und der Mutter Gottes über den Tod hinaus.

Auf der Rückseite befindet sich ein Grundriss vom alten Dorfkern von 1796 mit den Namen der ehemaligen Nachbarschaften Hinsken und Humbert